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Ringe der Macht

Aus der Ausstellungsschmiede

Die Ringe auf Glanz bringen

19. September 2019

Bevor die Funde aus der Sammlung des Landesmuseums ausgestellt werden können, bedarf es hinter den Kulissen einiger Vorbereitung. Große Freude bereitet es allen Beteiligten, wenn die Stücke ans Tageslicht geholt und begutachtet werden. Kuratoren, Gestalter und Restauratoren nehmen alles genau unter die Lupe.

Goldobjekte behalten ihren Glanz – nicht umsonst spricht man vom Glanz der Ewigkeit. Silber aber kann trotz idealer Lagerung seine Brillanz verlieren, wird matt, gar schwarz oder bekommt dunkle Stellen. Wer zuhause Silberbesteck hat, kennt das vielleicht. Dinge wie der Ring von Paußnitz oder die Silbermünzen, die mit ihm gefunden wurden, müssen also genau untersucht und im Fall der Fälle schonend gereinigt werden. Das Spa für diese Wellnesskur der Funde ist die Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums.

Susanne Kimmig-Völkner

Hand anlegen an der Bronzehand – ohne zu zittern!

17. September 2019

Unersetzlich, einzigartig, von unschätzbarer Bedeutung! All dies versucht die Restauratorin geflissentlich zu vergessen, wenn sie die Bronzehand bearbeitet, um sie für die Ausstellung vorzubereiten. Denn die Verantwortung ist groß: Fehlentscheidungen könnten dazu führen, dass das aussergewöhnliche Objekt beschädigt oder durch zu invasive Restaurierung entstellt wird. An der Bronzehand wird daher nur mechanisch gearbeitet, der Einsatz von Fremdstoffen wie Harzen und Chemikalien wird möglichst vermieden. Sehen wir das Objekt als Beleg einer früheren Epoche, analog eines Beweisstückes am Tatort, so liegt es auf der Hand, dass jede Veränderung Analysen und Untersuchungen verfälschen würde. Kommt hinzu, dass das 500 g schwere, massive Bronzeobjekt überhaupt nicht so solide ist, wie man zunächst meinen könnte. Das Röntgenbild zeigt, dass es voller Risse, Spalten, Lunker und Poren ist. Durch 3500 Jahre Korrosion im Boden hat die Hand nun gewissermassen Osteoporose. Diese kann auch die Restaurierung nicht beheben.

Was bringt denn eine Restaurierung überhaupt? Nun, das Objekt ist von der Bodenlagerung voller Dreck und mit Korrosionsschichten überdeckt. Beim Restaurieren sucht man darunter die ursprüngliche Oberfläche. Auch wenn diese heute nicht mehr metallisch glänzt, kann man dennoch Verzierungen und Spuren der Herstellung und des Gebrauchs erkennen. Diese Arbeit ist jetzt an der Bronzehand von Prêles im Gang. Mit grosser Vorsicht und viel Geduld werden auf dem fragilen Objekt Malachitschichten Millimeter für Millimeter abgetragen. Und da beim Schaben, Kratzen und Fräsen unter dem Binokular archäologische Bronze wie archäologische Bronze aussieht, ist es etwas einfacher zu vergessen, wie einzigartig die Bronzehand ist. Kein Händezittern also, dafür aber Blasen an den Fingern der Restauratorin vom Druck des Skalpells!

Sabine Brechbühl, Archäologischer Dienst des Kantons Bern
 

Paußnitz digital

12. September 2019

Die Digitalisierung unserer Welt macht heutzutage auch nicht vor dem Museum Halt. Eine Methode, um digitale 3D-Modelle zu erstellen, ist die Fotogrammetrie. Dieser sperrige Begriff entstammt ursprünglich der Geodäsie – der Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. Fotogrammetrie ermöglicht es aber auch, realistische 3D-Abbildungen aus Fotos zu generieren.

Für ein Objekt wie den Ring von Paußnitz sind etwa 400 Aufnahmen notwendig. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kameraperspektiven in etwa eine Halbkugel um das Objekt bilden. Um auch die Unterseite abzubilden, wird diese Prozedur nach der Drehung des Rings wiederholt.

Anschließend werden die Bilder mit Hilfe einer speziellen Software zusammengesetzt.

Wo und auf welche Weise das digitale Modell des Paußnitzer Rings verwendet wird, können Sie ab dem 15. November in der Sonderausstellung ›Ringe der Macht‹ erfahren.

Michael Strambowski

Baubeginn im Atrium

11. September 2019

Zunächst war es nur ein einsamer Metallrahmen im Lichthof des Landesmuseums für Vorgeschichte, der auf die Veränderungen hinwies, die sich in den kommenden Wochen im Museumsatrium des vollziehen werden.

Pünktlich zur Eröffnung des neuen Abschnitts der Dauerausstellung ›Barbarenmacht‹ am 2. September 2019 konnten die Besucher einen ersten Blick auf die Oberseite des hinterleuchteten Bildes werfen. Es soll in der kommenden Sonderschau über der Ausstellungsfläche schweben und zeigt den mystischen Ring von Paußnitz. Das Original wird ab 15. November 2019 direkt darunter in der zentralen Installation zu sehen sein.

Um die Macht des Rings ein wenig zu bannen – bis der Flugrahmen in seine endgültige Position gebracht wird – haben unsere Mitarbeiter das Bild vorerst abgedeckt.

Michael Strambowski

Die Bronzehand von Prêles: Ein noch nie dagewesener Fund!

5. September 2019

Die beiden Sondengänger, die im Oktober 2017 ohne amtliche Bewilligung auf einem Feld südlich des Dorfes Prêles im Berner Jura unterwegs waren, hatten wohl mit vielem gerechnet. Was sie dann aber aus dem Boden holten, erwies sich bald als regelrechte wissenschaftliche Sensation – ein einer menschlichen Hand nachempfundenes Bronzeobjekt mitsamt einem Bronzedolch und dem Fragment eines menschlichen Knochens. Obwohl ihnen Strafe drohte, brachten die Sondengänger den ungewöhnlichen Fund umgehend dem Archäologischen Dienst in Bern. Dort war man zunächst erstaunt. Der Dolch datierte zweifelsfrei in die Mittelbronzezeit um 1300-1400 v. Chr. Auch das Dekor des Goldbandes und die Materialien der Hand sprachen durchaus für eine Datierung in die Bronze- oder ältere Eisenzeit. Aber eine Bronzehand, ja auch andere Bronzeplastiken menschlicher Körperteile, so etwas war für die genannten Epochen nicht nur in der Schweiz, sondern weitherum in Mitteleuropa völlig unbekannt.

Als Glücksfall erwies sich, dass das feine Goldblech am Armansatz mit einem organischen Klebstoff aus Harz befestigt war. Davon konnte mit der Radiokarbonmethode (C14-Datierung) das Alter bestimmt werden: Das Harz und damit auch die Bronzehand stammen aus der Zeit zwischen 1500 bis 1300 v. Chr. und damit ebenso wie der mit der Hand gefundene Dolch aus der Mittelbronzezeit!

Eine Nachgrabung des Archäologischen Dienstes an der bezeichneten Fundstelle führte im Frühsommer 2018 zur Entdeckung eines mittelbronzezeitlichen Grabes. Unter den Resten eines Grabhügels fanden sich Skelettreste eines erwachsenen Mannes. Neben weiteren Grabbeigaben kam einer der abgebrochenen Finger der Bronzehand zum Vorschein. Eine C14-Analyse der Skelettreste datierte das Grab um 1300 v. Chr. Die Hand dürfte etwa ein Jahrhundert älter sein als die Bestattung.
Die Bronzehand war in ihrer letzten Verwendung Grabbeigabe eines bedeutenden und vermögenden Mannes, der in der mittleren Bronzezeit in der Nähe von Prêles lebte. Wozu sie zuvor diente, ist nach wie vor ein Rätsel. Wurde die Bronzehand im Gebiet des Schweizer Mittellandes hergestellt oder stammt sie aus ferneren Regionen? War sie Teil einer Statue oder eine Art Zepter? Weshalb wurde die Bronzehand dem Mann ins Grab gegeben und worin gründeten seine Macht und sein Reichtum? Diesen und weiteren Fragen werden in den kommenden Jahren verschiedene Forschungsvorhaben nachgehen. Vorerst bleibt uns das Staunen über ein aussergewöhnliches und in seiner Darstellung eines menschlichen Körperteils auch berührendes Fundobjekt.  

Andrea Schaer, Archäologischer Dienst des Kantons Bern

Literatur:
Andrea Schaer, Amelie Alterauge, Sabine Brechbühl, Christiane Kissling. Die Bronzehand von Prêles (Kanton Bern, Schweiz) – Die älteste anthropomorphe Bronzeplastik Europas? In: Archäologisches Korrespondenzblatt 1, 2019, 57–69.

Merkur – der römische Götterbote ist eingeflogen

3. September 2019

Die kleine bronzene Figur des römischen Götterboten und Schutzherren für Handel, Wandel, aber auch für die Diebe ist schon im Landesmuseum eingetroffen – als Vorbote der Sonderausstellung ›Ringe der Macht‹. Er wurde vor beinahe 100 Jahren in Beelen bei Gütersloh gefunden und ist eine begehrte und vielreisende Leihgabe des LWL-Museums für Archäologie in Herne (Nordrhein-Westfalen). Er kam nach einem Zwischenstopp in Hannover, wo er in der Landesausstellung ›Saxones‹ zu sehen war, nach Halle geflogen. Ausgestattet mit Flügelschuhen, Flügelhut und Geldbeutel hat er auch zwei Orakelstäbchen und sieben Ringe im Gepäck, die ihm die Germanen geopfert haben. Nun wartet er darauf, zusammen mit vielen weiteren Preziosen in der Ausstellung zu glänzen und Geschichten vom fernen Italien zu erzählen.

Urte Dally

Noch 77 Tage bis zur Eröffnung, der Countdown läuft

29. August 2019

Was verbindet einen magischen Inschriftenring des Mittelalters mit dem römischen Gott der Diebe und mit der ältesten Bronzeplastik eines menschlichen Körperteils? Dies und vieles mehr können Sie in Kürze hier im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) herausfinden.

Sie wollten schon immer einen Blick hinter die Kulissen einer Ausstellung werfen oder interessieren sich für die Hintergründe zu unseren Exponaten? Begleiten Sie uns beim Ausstellungsbau oder der Einrichtung der Objekte – und seien Sie dabei, wenn die ersten Leihgaben hier eintreffen. Mit wöchentlichen Beiträgen werden wir Sie auf dem Laufenden halten, damit die Zeit nicht zu lang wird, bis sich am 15. November 2019 die Türen öffnen für die ›Ringe der Macht‹.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihr Ausstellungsteam der ›Ringe der Macht‹

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