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Die Schamanin von Bad Dürrenberg

Waldzeit

Dunkel und verborgen präsentiert sich im Landesmueum der zweite Raum des Themenbereichs ›Menschenwechsel‹. Eindrücklich inszeniert wird hier ein tiefgreifender klimatischer und naturräumlicher Wandel erfahrbar – die hellen Weiten der kaltzeitlichen Tundra weichen den schattigen Buchenwäldern der Mittelsteinzeit (Mesolithikum). Grund hierfür waren die vor rund 11.500 Jahren stetig ansteigenden Temperaturen. Die letzte Kaltzeit ging zu Ende und eine bis heute andauernde Warmzeit begann. Mit dem Rückgang der offenen Landschaften der Eiszeit verschwanden aber auch die großen Rentier- und Pferdeherden, die dem Menschen ergiebige Nahrungsquellen waren. Wieder einmal mussten die Menschen ihre Lebensstrategien und Verhaltensweisen umstellen – aus Tundrajägern wurden nun Waldläufer und Fischer.

Eine mächtige Frau

Im Schatten des Waldes ist Raum für Begegnungen der besonderen Art. Die 25- bis 30-jährige Frau wurde in Rötel gebettet vor ca. 9.000 Jahren bestattet. Das überreiche Beigabeninventar bezeugt eine gesellschaftliche Sonderrolle der Toten. Bemerkenswert ist die enorme Vielfalt der im Grab repräsentierten Tierarten, die nicht alle nur Nahrungsvorrat für das Jenseits sein sollten. Ethnographische Vergleiche legen nahe, dass manche Objekte als Requisiten schamanistischer Praktiken zu deuten sind. Der Übergang vom mobilen Wildbeutertum zur sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht markiert um 5.600 v. Chr. das Ende des Mesolithikums. Die Zeit der Jäger – als längste Phase menschlicher Lebensweise – fand ihren Abschluss.

Das Grab der Schamanin

Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg ist die älteste Bestattung Mitteldeutschlands. Mit ihr wurde ein Säugling bestattet. Die Analyse des Skelettes der Frau ergab, dass ihr oberster Halswirbel fehlgebildet war und zudem im unteren Schädelbereich Blutgefäße räumlich eingeschränkt gewesen sein könnten. Diese Fehlbildung machte sie vielleicht zu einem besonderen Menschen. Anthropologen vermuten, dass sie durch extreme Haltungen ihres Kopfes vielleicht sogar absichtlich eine Ohnmacht herbeiführen konnte. Das überreiche Beigabeninventar bezeugt eine gesellschaftliche Sonderrolle der Toten. Bemerkenswert ist auch die enorme Vielfalt der im Grab repräsentierten Tierarten, die nicht alle nur Nahrungsvorrat für das Jenseits sein sollten. Für die Interpretation dieser Bestattung als Grab einer Schamanin spielten auch spezielle Beigaben eine wichtige Rolle.

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