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Kulturenstreit

Awaren und Slawen

Mitte des 6. Jahrhunderts nach Christus drang aus Innerasien eine Föderation aus Reiternomaden in das nördliche Schwarzmeergebiet und weiter zum Balkan vor, wo sie unter dem Namen Awaren von Byzanz Tribute erpressten. 562 und 566 versuchten Awarentruppen an der Elbe in das fränkische Ostreich einzufallen, zuerst noch zurückgeschlagen, dann siegreich. Die Kriege mit den Awaren trugen zur Schwächung des fränkischen Einflusses auf das Gebiet östlich der Saale bei. Das eröffnete den südostslawischen Gruppen im Gefolge der Awaren dort die Möglichkeit zur Landnahme. Zuletzt sesshaft geworden, verloren die Awaren nach verlustreichen Kämpfen mit dem karolingischen Frankenreich Anfang des 9. Jahrhunderts Macht und Bedeutung.

Seit dem frühen 7. Jahrhundert wanderten in mehreren Schüben heterogene Slawengruppen in die Gebiete östlich von Elbe und Saale ein – zuerst im Gefolge awarischer Stoßtruppen aus Südosteuropa, dann separat aus Nordosteuropa. Die vielen Kleingruppen der Elbslawen – zum Beispiel Morizanen (Raum Magdeburg) und Neletizen (Raum Halle) – siedelten zur Landnahmezeit relativ unbehelligt in Einzelhöfen und offenen Dörfern, auch westlich des Grenzflusses.

Dort freuten sich die fränkischen Landesherren an den westlichen Uferregionen von Elbe und Saale über Nutzland erschließende Kolonisten, die dafür im Gegenzug unbesteuert blieben. Östlich der Mittelelbe blieben die Slawen bis in das 10. Jahrhundert unabhängig. Doch in Reaktion auf den fränkisch-sächsischen Eroberungsdruck gaben sie seit dem 8. Jahrhundert zunehmend ihre wehrlosen Heimstätten auf und zogen sich in gemeinschaftliche Rundburgen zurück, oft im sumpfigen Gelände angelegt. Eine führende Adelsschicht entstand und Kleinstämme formierten sich zu größeren Verbänden.

Das Frankenreich strebte noch vorrangig die Kontrolle und Tributherrschaft über die slawischen Grenzvölker an, wie etwa 789 Karl der Große. Später griffen ab 928 die Sachsenherzöge über die Elbe aus und verbrämten ihre Eroberungen mit der zuvor noch nachrangigen Missionierung. Die Besiegten rebellierten gegen die Repressalien und zerstörten gezielt auch Kirchengut, wie etwa 983 den Bischofssitz Havelberg. Erst im 11. Jahrhundert war die Lage befriedet.

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