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Der Rinderbaron

In der Vertikalen inszeniert bietet die Rekonstruktion der Befunde von Westerhausen ungewöhnliche Aussichten auf ein aufsehenerregendes Gräberensemble der mittleren Jungsteinzeit: Auf der Stirnwand des großen Neolithikum-Saales sind das Steinkistengrab eines wohl männlichen, fast 40-jährigen Toten sowie zwei Gruben mit insgesamt sieben Rindern, die vermutlich während der Beisetzung getötet und als separate ›Beigabe‹ begraben wurden, installiert. Die Tiere waren im besten Nutzalter; ihre Tötung war ein spürbarer Verlust. Auch der Bau der Steinkammer zeugt von der besonderen Stellung des Toten: Er war ein Werk vieler Hände – allein das Positionieren der fast 600 Kilogramm schweren Deckplatte bekundet enorme Mühen.

Der ›Rinderbaron‹ von Westerhausen ist Zeugnis für eine zunehmende Hierarchisierung der Gesellschaft, die ab der mittleren Jungsteinzeit z. B. durch die Errichtung aufwendiger Grabanlagen fassbar wird. Organisierten sich die ersten bäuerlichen Gemeinschaften offenbar noch in flachen Rangordnungen, begünstigte die sesshafte Lebensweise das Ansammeln von individuellem und gemeinschaftlichem Besitz, den es zunehmend zu schützen und zu verwalten galt. Führungsschichten etablierten sich. Soziale Unterschiede prägten sich aus, die in feste Gesellschaftsgliederungen mündeten. Öffentliches Ansehen oder sozialer Rang wurden wie beim Begräbnis von Westerhausen durch symbolträchtige Gemeinschaftsleistungen für Einzelne, Würdezeichen oder Prestigeobjekte kenntlich gemacht. Dieses veränderte Sozialverhalten wirkt letztlich bis heute nach – Hierarchisierung als Vorstufe des Staatswesens.

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