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Eulau – Tragödie am Ende der Steinzeit

2005 entdeckten Wissenschaftler bei Ausgrabungen im Vorfeld des Kiesabbaus vier Gräber, die bald schon Geschichte schreiben sollten. In ihnen waren jeweils mindestens zwei Menschen bestattet und sorgsam arrangiert. Es waren ausschließlich kleine Kinder, Mütter und ältere, versehrte Männer. Molekulargenetische und biochemische Analysen der insgesamt 13 Individuen lieferten erstaunliche, teils biografische Details über Alter, Herkunft, Verwandtschaft und Tod der Verstorbenen. So konnte eine Vierfachbestattung per DNA-Untersuchung als bisher älteste Kleinfamilie weltweit identifiziert werden – eine wissenschaftliche Sensation, die vom Time Magazin unter die Top 10 Scientific Discoveries 2008 gewählt wurde.

Weitere archäologische und anthropologische Indizien lassen ein Szenario rekonstruieren, bei dem die Bestatteten durch einen Überfall auf eine Kleinsiedlung ums Leben kamen. Außergewöhnlich sind die engen verwandtschaftlichen Verhältnisse der Toten untereinander, die anhand von DNA- und Zahnanalysen belegt werden konnten und zudem durch die Lage der Bestatteten im Grab exakt zum Ausdruck kommen.  Diese Untersuchungen belegen auch, dass die Getöteten von Clanmitgliedern bestattet wurden, denen die jeweiligen Verwandtschaftsverhältnisse genau bekannt waren.

Drei der Gräber werden im Landesmuseum im Rahmen eines Triptychons präsentiert. Hier ist deutlich zu sehen, dass einige der Familienmitglieder sich an den Händen halten, die Kinder Auge in Auge mit den Eltern bestattet wurden. Diese liebevollen Gesten verdeutlichen, dass sich zentrale menschliche Werte über Jahrtausende hinweg wiederfinden. Diese Nähe erzeugt ein kraftvolles, emotionales Bild, das Raum und Zeit vergessen lässt.

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